
Porträt
Ein Leben für das Familienunternehmen
Drei Jahre später, nach dem Tod auch seines Onkels, übernahm Fritsch-Albert den Vorstandsvorsitz der Münsteraner Familien-AG. Wie er selbst sagt, war es nicht sein erklärtes Ziel, so früh schon so weitreichende Verantwortung zu übernehmen. Geplant war seinerzeit für ihn ein längeres Praktikum in den USA, das er gerne angetreten hätte. Unter seiner Führung wuchs die Westfalen AG vom regional tätigen Herstellertechnischer Gase, Flüssiggasversorger und Tankstellenbetreiber zur europaweit tätigen Unternehmensgruppe.
Beeindruckende Entwicklung
Ausgangspunkt der beeindruckenden Entwicklung war die Übernahme der saarländischen Propan-Union GmbH. Damit führte Fritsch-Albert das damals noch als Sauerstoffwerk Westfalen AG firmierende Unternehmen aus dem traditionell nordwestdeutschen Vertriebsgebiet hinaus. Bis heute folgten dem 49 weitere Unternehmensgründungen und -übernahmen. Vor allem der Geschäftsbereich Technische Gase expandierte indie Fläche. Nach der Wende folgten die neuen Bundesländer und fast zeitgleich die erste Auslandsgesellschaft in den Niederlanden. Weitere wurden in Belgien, Frankreich, der Schweiz, Österreich und Tschechien gegründet. In Polen besteht eine 50-Prozent-Beteiligung im Flüssiggasgeschäft. Parallel wurde das Produktangebot für technische Gase erweitert: Wasserstoff, Helium, Lasergase und zahlreiche Spezialgase für Medizin, Pharma und Lebensmittel. 2010 nahm Fritsch-Albert in Frankreich eine Luftzerlegungsanlage zur Gaseproduktion in Betrieb, in diesem Jahr ein Werk in der Schweiz. In Deutschland ist die Westfalen AG hinter drei multinationalen Anbietern inzwischen die Nummer 4 bei technischenGasen.
Deutscher Marktführer bei Autogas
Auch im Flüssiggasmarkt entwickelte sich die Westfalen AG höchst erfolgreich. Mit der Marke Westfalengas gehört sie heute zu den bundesweit größten Anbietern von Flüssiggas als Wärme- und Antriebsenergie. Bei Autogas, einem Produkt, dem sich Fritsch-Albert besonders verbunden fühlt, ist sie deutscher Marktführer. Im dritten Geschäftsfeld, den Tankstellen, expandierte die Westfalen AG ebenfalls. Während deren Zahl deutschlandweit deutlich abnahm, vergrößerte Fritsch-Albert das Westfalen-Netz von etwa 170 auf heute rund 260. Zur Abgrenzungvon den Großkonzernen der Branche legt Fritsch-Albert an seinen Stationen besonderen Wert auf Regionalität, Service und kompetente sowie motivierte Tankstellen-Partner. Der Umsatz stieg unter seiner Ägide von umgerechnet rund 100 Millionen Euro im Jahr 1974 auf fast 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2010. Die Zahl der Mitarbeiter wurde mehr als verdoppelt. Im Ranking der umsatzstärksten deutschen Familienunternehmen rangierte die Westfalen AG im Jahr 2010 auf Platz 102.
Familienunternehmer aus Überzeugung
Fritsch-Albert bekennt sich klar zum Unternehmertum: „Meine Tätigkeit ist für mich Überzeugung und Berufung und keinesfalls irgendein Job.“ Als Konsequenz daraus engagiert er sich seit Jahren für die Belange der Familienunternehmen, unter anderem im ASU und im Institut für Familienunternehmen der Universität Witten/Herdecke. Bis 1995 war er zudem Vorstandsvorsitzender des Deutschen Verbandes Flüssiggas (DVFG), einer ebenfalls sehr mittelständisch strukturierten wettbewerbsintensiven Branche. Von 1997 bis 2006 führte er den Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen (UNITI), seit 2006 ist er dessen Ehrenvorsitzender. Als Beiratsmitglied der Fachhochschule Münster setzt er sich für eine verstärkte Kooperation zwischen Hochschule und Wirtschaft ein. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes und als ehrenamtlicher Handelsrichter tätig. In seiner Freizeit zeigt sich Fritsch-Albert sportlich und naturverbunden. Nordic Walking und Radfahren gehören zu seinen Aktivitäten. Seine Passion gilt jedoch der Jagd, was für ihn vor allem auch Hege und Pflege bedeute.
Fritsch-Albert hat weiter Freude an seinen Aufgaben
Nach eigenem Bekunden ist Fritsch-Albert weiterhin „arbeitswillig und -fähig“ und hat unverändert Freude an seinen Aufgaben. Bis ins Jahr 2020 reichen die gerade in Angriff genommenen strategischen Visionen. Das geplante weitere Wachstum soll sowohl durch die Erschließung neuer Auslandsmärkte erfolgen, als auch durch neue Geschäftsfelder, die die Westfalen AG noch mehr zur „multi-product-company“ machen. Fritsch-Albert ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Sein Sohn Alexander ist als Vertreter der vierten Familiengeneration bereits im Unternehmen tätig.
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