Mit seiner zugespitzten Analyse „Europa lebt in einer gefährlichen Selbsttäuschung“ traf Prof. Jäger einen Nerv bei den zahlreichen Gästen aus Wirtschaft, Politik und Verbänden. Seine zentrale Botschaft: Die Weltordnung verändert sich schneller und tiefgreifender, als viele in Europa wahrhaben wollen. Die Phase der liberalen Globalisierung gehe zu Ende. Stattdessen entwickele sich ein globaler Machtkampf zwischen den USA und China, während Europa Gefahr laufe, geopolitisch zwischen die Fronten zu geraten. Besonders eindringlich analysierte Jäger die Rolle Donald Trumps, den er als „schwarzen Schwan“ bezeichnete. Trump sei kein vorübergehender politischer Ausnahmefall, sondern Ausdruck eines grundlegenden Wandels in der amerikanischen Politik. Internationale Bündnisse, Verlässlichkeit und die bisherige Weltordnung stünden dadurch zunehmend unter Druck.
Auch für Unternehmen seien die Folgen dieser Entwicklungen längst spürbar. Lieferketten, Rohstoffe und Technologien seien heute nicht mehr nur wirtschaftliche Faktoren, sondern strategische Machtinstrumente. Die Abhängigkeiten Europas von Russland und China hätten deutlich gemacht, wie verwundbar bestehende Wirtschaftsmodelle geworden seien.
Prof. Jäger formulierte dabei eine klare Warnung an Europa und Deutschland: Wer geopolitisch nicht handlungsfähig sei, werde zum Spielball anderer Mächte. Die entscheidende Frage sei deshalb nicht mehr, ob sich die Welt verändert – sondern ob Europa bereit ist, darauf strategisch zu reagieren. Am Rande der Bochumer Unternehmergespräche sowie der Mitgliederversammlungen des Arbeitgeberverbandes Ruhr-Lippe e.V. und der Vereinigung Papier, Pappe, Kunststoff Westfalen e.V. blieb zudem Zeit für persönliche Gespräche, Netzwerken und den traditionellen Spargelabend.
